Zeittafel zur Geschichte des Beelitzer Wasserturms

Herbst 1926

* Auf Beschluss der Beelitzer Stadtverordneten wird in Beelitz mit dem Bau
  einer Wasserversorgungs- und Kanalisationsanlage begonnen.
  Zur Finanzierung wurde dazu eine Anleihe in Höhe von 1,3 Mill. RM aufgenommen.

* Nach Veröffentlichung des Beschlusses kommt es in Beelitz zu Protestversammlungen

*Notwendigkeit des Baus:

1. schwierige Wasserentsorgung durch niedrigen Grundwasserspiegel (Sandergebiet)

2. schlechte Wasserentsorgung verursachte in der Vergangenheit mehrere Epidemien (Wasserableitung in den Stadtgraben) .

* Während des Baus archäologischer Fund im Bereich der Altstadt (Knüppeldamm in der Berliner Straße; Bodenfunde in der Nümbergstr.)

Februar 1928

* Inbetriebnahme der Anlage durch Bürgermeister Tiedemann

Funktion:

1. zentrale Wasserversorgung der Beelitzer Bevölkerung

2. mechanische und biologische Entsorgung der Abwässer

3. Regenwasserableitung

Teilwelke:

1. Wasserwerk in der ehemaligen Markusstr (heute Karl-Liebknecht-Str.)

2. Wasserturm auf dem Ostereierberg

3. Klärstation hinter dem Steinhorst (Mühlenfließ)

4. Druckpumpen in der Pferdeschwemme (Mühlenfließ)

* Äußeres Wahrzeichen der gesamten Anlage wird der Wasserturm.

Bauzeit 1926-1928

Höhe: 40 m

Projektant: Architekt Winter von der Niederbamimer Kreissiedlungsgenossenschaft

ausführende Firmen: Schielicke und Hotescheck (Beelitz)

Material: rote Eisenklinker auf

Standort: Ostereierberg (ehemalige slawische Fruchtbarkeits-Kultstätte)

Fassungsvermögen des Wasserbehälters: 200 qm

Funktionsweise: Wasserfüllung mittels hydrostatischen Drucks auf das

Rohrleitungssystem der Stadt; dieser Wasserdruck bewirkt die

Fließgeschwindigkeit-.und die Steighöhe des Wassers;

das Rohrleitungssystem im Inneren des Turmes besteht aus Steigleitung,

Fallleitung und einer Entleerungsleitung mit Überlauf;

Regulierung durch den Schieber im Keller und auf dem Topfboden

unterhalb des Hochbehälters .

Fundamenttiefe des Wasserturms: 3,5 m

10. Juni 1928

* Turm erhält eine Zweitverwendung als erstes Heimatmuseum des Kreises  Zauche-Belzig

1944

* Auf Initiative des Konservenfabrikanten Hugo Drenker wird am Wasserturm mit den Arbeiten zur Einrichtung einer "Gedenkstätte für gefallene Beelitzer" des 1. Weltkrieges" begonnen; die Arbeiten wurden nicht beendet.

April/Mai 1945

* Durch die Kampfhandlungen in Beelitz wird der Turm schwer in Mitleidenschaft gezogen; er war Beobachtungspunkt und zeitweilig Gefechtsstand des Kdr. der 16. Panzerbrigade der Wehrmacht.

Er erhielt mehrere Granattreffer im oberen Bereich, wobei die Turmstube fast vollständig zerstört und das Mauerwerk stark beschädigt wurde.

* Die Firma Schielicke sichert den Turm durch erste Baumaßnahmen; der Turmvorplatz wird wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Anfang 1946

* Die Räume des Wasserturms werden von der Beelitzer Konservenfabrik (ehem. Konservenfabrik Drenker & Ritter) als Lagerräume genutzt.

* Einige Museumsstücke werden zum Auffüllen von Granattrichtern genutzt (z.B.: die Mineraliensammlung)

1955

* Nach 10 Jahren erste Bemühungen zur Turmrekonstruktion

* Die letzten 50 Festmeter Holz für die Einrüstung können besorgt werden; die umfassende Rekonstruktion kann beginnen.

1959

* Mit der Einweihung der neuen Parkanlage, des Karl-Liebknecht-Parks - (ehemals Park unter den Eichen), wird auch die Rekonstruktion abgeschlossen.

1967

* Während der Festwoche zum 750. Stadtjubiläum kann durch die Bemühungen von Herrn G. Hesse der Turm letztmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden; er wurde bereits in den 6O-er Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt.

Offiziell wurde als Grund der einzuhaltende Hygienestandard der Wasseranlage angegeben,
inoffiziell war die Schließung ein Ergebnis des "Kalten Krieges" (man befürchtete Sabotageakte im Trinkwassersystem der Stadt).

* Der Turm wird nur noch von der Forstwirtschaft als Feuerwach- und -meldeturm genutzt.

Anfang 1991

* Bemühungen des Beelitzer Heimatvereins zur Nutzung des Turms als neues Heimatmuseum

10.Sept.1991

* Mitglieder des Beelitzer Heimatvereins besuchen den Wasserturm und überzeugen sich vom
  derzeitigen Zustand.

13. Sept. 1993

* Letzte Öffnung des Wasserturms zum Tag des offenen Denkmals

14. Sept. 1997

* Tag des offenen Denkmals mit Ausstellung des Heimatvereins zur Geschichte des Wasserturms und des Heimatmuseums.

März 1999

* Anfang März 1999 wurde der "Verein zur Rettung des Beelitzer Wasserturms e.V." gegründet. Das vom Ingenieurbüro Götz & Ilsemann entwickelte Konzept für eine Sanierung und Umnutzung des Wasserturmes musste natürlich mit den Behörden der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes abgestimmt werden, da das Bauwerk seit dem 28. Februar 1986 unter Denkmalschutz stand. Außer der zukünftig vorgesehenen Nutzung des Turminneren für eine Cafeteria, Wohnung, Büroräume, Aussichts-Cafe usw. war die Errichtung einer Sternwarte geplant. Hierfür wurde der Ein- bzw. Aufbau einer Beobachtungskuppel in das Turmdach vorgesehen, was natürlich den äußeren Anblick des Turmes verändern würde. Nach Bereitstellung erster Geldmittel durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Sparkasse des Landkreises Potsdam-Mittelmark, privater Spender sowie Zusagen von Land und Bund konnten die Arbeiten beginnen.

Neben dem Ausbau des Wasserbehälters wurden u.a. neue Geschossdecken eingezogen, ein Aufzugsschacht sowie ein Treppenhaus eingebaut, eine durch mehrere Geschosse gehende Fernrohrsäule gegossen, und die Dachkonstruktion für den Ein- bzw. Aufbau der Sternwartenkuppel verändert. Besonders arbeitsaufwändig gestaltete sich auch die Sanierung der Außenhülle.

Kuppelfest

1. April 2004

*Der Beobachtungsbetrieb der Sternwarte konnte dann schon nach Einbau des vom Verein zur Rettung des Wasserturms aus Spendenmittel beschafften Teleskops im Jahr 2004 aufgenommen werden. Der Verein "Sternfreunde Beelitz e. V." wurde am 1. April 2004 gegründet.

Waschraum

Juni 2005

*Nachdem Einbau einer Toilettenanlage und der Herrichtung des von der Sternwarte auch genutzten, zu der Zeit so genannten, Panorama-Cafes steht nun seit dem 2. Halbjahr 2005 einem regelmäßigen Sternwartenbetrieb nichts mehr im Wege!

Dann wurde auch die Treppenanlage vor dem Eingang zum Turm erneuert, der Zugangsweg zum Aufgang zur Sternwarte befestigt sowie eine Außenbeleuchtung angebracht. Damit ist nun auch ein sicherer Zugang zum Turm bzw. zur Sternwarte möglich.

Wasserturm nach der Sanierung

Dezember 2005

*Da die im Rahmen der bisher bereit gestellten Geldmittel möglichen Arbeiten abgeschlossen waren und das Turmäußere saniert ist, wurde am 2. Dezember 2005 der Wasserturm der Stadt Beelitz vom "Verein zur Rettung des Wasserturms" wieder "zurück" übergeben.

LX200

Im Rahmen dieser kleinen Feierstunde wurde dem Verein "Sternfreunde Beelitz e.V." das in der Kuppel montierte Teleskop mit einem Zeitwert von 9.000 EURO geschenkt.

Download der Zeittafel

Zeittafel0001.pdf (2,3 MiB)

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